DO 15.4.2010

20:30 Theodor Schubach/Egor Poliakov/Sebastian Peter/Christian Helm
Konzert Schaubühne Lindenfels, Ballsaal

Studierende der Musikhochschulen aus Leipzig, Weimar und Dresden präsentieren aktuelle Kompositionen.

Theodor Schubach: Resonanzen III. Live-Elektronik

In einem Raum sind die Resonanzfrequenzen eines rückgekoppelten Klangsystems darstellbar. Durch den periodischen Wechsel von Verstärkung und Dämpfung werden Klangobjekte formuliert, deren Identität durch die Einbindung in das raumabhängige Klangsystem geformt wird. Die unterschiedlichen Verbindungen der Klangobjekte und ihre variierte zeitliche Verzögerung führen zu einer Verschiedenheit der Reaktionen auf eine Umgebung. Das Spektrum reicht von Objekten, welche Schatten von Ereignissen in einem Wiederholungsprozess erodieren und in dieser Verformung eine Identität entwickeln, bis zu Gruppierungen von Objekten, die aus einer formulierten Perspektive heraus andere Objekte abbilden, um einzelne Eigenschaften aufgreifen zu können.

Theodor Schubach wurde 1985 in Berlin geboren und erhielt von 1997 bis 2004 Unterricht an der Spezialschule für Musik Dresden in den Fächern Klavier und Improvisation. Seit 2005 studiert er Komposition und elektroakustische Musik bei Wilfried Krätzschmar, Mark Andre (Komposition) und Franz Martin Olbrisch (elektroakustische Musik) in Dresden. Wichtige Impulse für seine Ausbildung erhielt er bei den Ferienkursen in Darmstadt 2006 und 2008 sowie beim Festival next_generation in Karlsruhe 2007 und 2009.

Egor Poliakov: Double Helix. Oboe, Cello und Live-Elektronik

Die Double Helix ist ein geometrisches Gebilde, das aus zwei Spiralen mit einer gemeinsamen Achse besteht und meist als Modell in der molekularen Biologie, besonders im Zusammenhang mit DNA verwendet wird. Ein DNA-Strang ist sehr lang, besteht aber nur aus wenigen sich wiederholenden Elementen, die – ausschließlich durch ihre Reihenfolge – über das Erbgut und somit über alle physisch-biologischen Eigenschaften eines Lebewesens entscheiden.

Auf eine musikalische Form oder Struktur projiziert, lässt sich mit Hilfe dieser Denkweise ein Gebilde erschaffen, das nur über wenige Bauelemente verfügt – aufgeteilt nach rhythmischen Ereignissen, nach Dynamik, nach Tonhöhen und nach der Art der Klangerzeugung. Nur durch immer wieder wechselnde Zusammensetzung dieser Eigenschaften wird ein neues musikalisches Material hervorgebracht. Besonders interessant sind dabei die so genannten Mutationen – Stellen, an denen das klangliche „Erbgut“ sich entgegen der oben beschriebenen Gesetze verändert, um ein bestimmtes Ereignis besonders hervorzuheben oder auch bewusst zu unterdrücken.

Die elektronische Stimme wird wie ein solistisches Instrument behandelt. Als Klangmaterial werden aber (bis auf sehr wenige eingespielte Klänge) nur die live erzeugten Oboe- und Celloklänge verwendet.

Klangregie: Egor Poliakov
Oboe: Arnfried Falk
Violoncello: Lin Hui-Chun

Sebastian Peter: Schatten. Tonband

„Zwischen Idee und Realität fällt der Schatten.“ 
(T.S. Elliot)

Das Stück Schatten ist die Transformation des ersten Kapitels des autobiographischen Romans Rohstoff von Jörg Fauser in eine elektroakustische Komposition. Man hört immer tiefer in die Welt des Schriftstellers hinein und begegnet in Istanbul seinen Schatten: dem Opium, dem Schreiben und dem Zweifel. Die Originalaufnahmen des Stückes wurden zum einen auf einer Recherchereise in Istanbul gemacht, zum anderen sind es 4-kanalige Studioaufnahmen bei denen eine makroskopische Abbildung sehr kleiner und feiner Geräusche erreicht wurde, wie z.B. das Anzünden eines Streichholzes, das Schreiben mit einem Füller oder das Kratzen einer Nadel auf Holz.

Die Originalaufnahmen der Klangflächen wurden mit einer Sängerin in der Zisterne des ehemaligen Wasserwerks in Berlin-Grunewald (Nachhallzeit: 20s) aufgenommen. Das Stück Schatten bildet die Grundlage für das experimentelle Hörspiel Rohstoff Eins, das im Dezember 2009 im Rahmen des Festivals Prix Phonurgia Nova mit dem Prix Decouvérte Pierre Schaeffer für Nachwuchsklangkünstler ausgezeichnet wurde.

Sebastian Peter (* 11. März 1982 in Marburg/Lahn) ist Klangkünstler/ Klangforscher/ Komponist und lebt seit 2007 in Weimar, wo er an der Bauhaus Universität Weimar Mediengestaltung, mit dem Schwerpunkt elektroakustische Komposition und Klanggestaltung bei Robin Minard studiert. Seine Werke, darunter Klanginstallationen und akusmatische Kompositionen, waren u. a. auf der Jahresausstellung der Kunsthochschule für Medien in Köln zu sehen. Seine erste Komposition Wasserstudie I wurde in der Newcomer Werkstatt Klangkunst unter der Leitung von Götz Naleppa im Deutschlandradio Kultur urgesendet.

Christian Helm: Maschinarium. Tonband

Das Klangmaterial des Stückes besteht aus Improvisationen auf der E-Gitarre, allerdings mit einem Pürierstab als „Plektrum“. Die Tonabnehmer einer elektrischen Gitarre funktionieren, indem sie akustische Schwingungen in elektromagnetische Schwingungen umwandeln und reagieren daher sehr stark auf das elektromagnetische Feld des Motors im Stab. Durch die Aluminiumummantelung des Stabes kann man auf den Saiten der Gitarre sehr gleichmäßig spielen – ähnlich wie dem Slidespiel beim Blues (Bottleneck) oder dem Spielen mit einem Bogen auf der Geige. Die Improvisationen erhalten dadurch eine ganz eigene, charakteristische Klangfarbe und Akzentuierung. Im Stück vermischen sie sich zu vielen neuen Strukturen, bewahren aber trotzdem immer das Wesen des Gitarrenspiels.

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