15. – 18.2010 Ausstellung

Friederike Bernhardt: ICD-10: F44. Für Dr. Hauschka.

Installation

F44 ist in der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme die Abkürzung für eine Form der dissoziativen Störung, der Hysterie (von agrch. ὑστἐρα: Gebärmutter): laut Wikipedia die Bezeichnung für eine Persönlichkeitsstörung, bei der Geltungsdrang und das Bedürfnis nach Anerkennung im Vordergrund stehen. Nach dieser Definition entsteht die Frage, wann sich wessen Identität in welchem Bedarfsfall nicht auflöst.

Hysterie als permanente, unterschwellige Nervosität, als eine Angst vor Bedürfnisverlust und Bezugslosigkeit bei gleichzeitiger Aggression gegen das, was man darstellen will. Hysterie als Inszenierung zur Rettung des Selbstwerts, die in allen Ausdrucksmitteln eine Not ausdrückt und gefährdet ist, indem man sich im ständigen Wechselspiel zwischen Produktion und Reproduktion von Echtheit befindet.

Dieser Effekt, vor allem in seiner Verstärkung und Grenzenlosigkeit, wird unbewusst eingesetzt, um der Einsicht emotionaler Vorgänge und der Anerkennung aufklärender Zusammenhänge zu entgehen. Schließlich will man nicht ganz ertappt werden, nur kurz und selten.

Nur Baustelle spielen, wenn sonst schon alles ausgesucht ist. Und überzeugt sein davon, dass man sich entscheiden kann, es auch tut, es aber zu viele Möglichkeiten gibt, die machen, dass man sich für nichts entscheidet, und was man sich bei all dem, wofür man sich nicht entscheidet, wenn man entschieden wird, so zusammeninszeniert, um gut dabei auszusehen, bei dem Selbstbestimmtsein, das es nicht gibt, wofür man sich aber entschieden hat, dachte man, und schließlich hat man nichts entschieden, wenn man sich für falsche Sachen entscheidet, bekommt man einen Tumor, dann geht man klettern, isst Nahrungsergänzungsmittel oder liest GU-Ratgeber.

 

Sound, Hörstück, Text, Video: Friederike Bernhardt
Raum: Friederike Bernhardt, Monique Ulrich
Sprecher, Spieler: Artemis Chalkidou, Robert Eder, Moritz Fasbender, Guido Lambrecht, Peter-René Lüdicke, Manuel Harder, Hans-Peder Werner

 

 

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